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Nebenfach Sozialwissenschaften
Contents
Infos zum Fach
Einbindung in die Systemwissenschaft
Der Fachbereich Sozialwissenschaften ist in das systemwissenschaftliche Studium praktisch nicht eingebunden. Durch personelle Abgänge in den vergangenen Semestern ist seit 2007 kein Dozent bei den Sozialwissenschaften mehr vorhanden, der einen direkten Bezug zu Modellbildung und Simulation und zur Systemwissenschaft hat. Die größte Anschlußfähigkeit stellt nun der Teilbereich 'Empirische Sozialforschung' bereit, in dem mit bevorzugt empirischen Methoden und Modellen gearbeitet wird (wo man als Systemwissenschafter auch gut behandelt wird). Beim Rest muß man auf 'gut Glück' schauen.
Der Nachteil dieser geringen Integration ist, daß systemwissenschaftliche Konzepte und sozialwissenschaftliche Probleme voneinander unberührt nebeneinander existieren. Man erhält zwar eine Einsicht in die Sozialwissenschaften als solche, man hat aber (bis auf unbetreute Eigenarbeit) keine bis wenige Gelegenheit, diese mit einer systemwissenschaftlichen Sicht zu verbinden. Am Bereich Stoffstrommanagement am USF kommen zwar sozialwissenschaftliche Aspekte vor, wegen ihrer auf die Anwendung bezogenen Eingrenzung bzgl. Themenvielfalt und Theorietiefe findet man aber darin keinen Ersatz.
Der Vorteil dieser geringen Integration ist, daß man sich zwangsweise über Osnabrück hinaus um thematischen Anschluß kümmern sollte, sofern man andere als die am USF behandelten Themen bearbeiten möchte. So wird man bei den meisten Themen gewissermaßen zu einer mindestens deutschen oder europäischen Perspektive getrieben. Um dort über die Ferne anschlußfähig zu sein kommt schnell der Druck zum Praktizieren der jeweiligen fachlichen Standards (inkl. Publikationsweise).
Ein paar Umgangsregeln
Kommt man als Systemwissenschaftler in Fächer wie Physik oder auch Wirtschaftswissenschaften, dann trifft man auf Leute, die mathematische Denkweisen oder wenigstens die Anwendung von Formeln mehr oder weniger gewöhnt sind. In den Sozialwissenschaften ist das ganz anders. Darum an dieser Stelle auch ein paar Worte der Warnung.
Unser alltäglicher Sprachgebrauch ist häufig inkompatibel. Sagen Mathematiker, daß etwas trivial sei, dann meinen sie, daß das Problem längst gelöst und somit keine Herausforderung mehr ist, Sozialwissenschaftler meinen damit aber, daß etwas unwichtig sei. Sagen wir einfach, dann meinen wir, daß es dazu eine Lösung gibt (die selbst recht anstrengend sein kann), Sozialwissenschaftler denken dabei aber eher an den Aufwand und betrachten es als Anmaßung arroganter Naturwissenschaftler oder Mathematiker, zu einer komplizierten Sache "einfach" zu sagen.
Unsere Terminologie und Konzepte sind anders. Komplexität, Pfadabhängigkeit, Systemstruktur, Dynamik etc. haben verschiedene Bedeutungstiefen bzw. sind auf sozialwissenschaftlicher Seite weniger präzise. Die Konsequenz ist zumindest, daß man aufpassen muß, wenn man gleiche Begriffe verwendet - wir denken dabei allgemeiner und die denken dabei konkreter und Mißverständnisse kommen schnell.
Wichtig ist Taktgefühl. Systemwissenschaftler denken anders, mathematische Konzepte werden in den Sozialwissenschaften nicht so schnell verstanden und akzeptiert. Auf der einen Seite müssen wir also darauf achten, unsere Ideen so darzulegen, daß auch andere damit etwas anfangen können, auf der anderen Seite sollten wir gut zuhören, was man uns zu sagen hat. Überheblichkeit gegenüber den "weichen Wissenschaften" rächt sich sowohl durch Ablehnung der eigenen Person als auch durch fehlende gemeinsame Erkenntnisse, auf denen interdisziplinäre Arbeit beruht. Sozialwissenschaftler fühlen sich manchmal gegenüber Vertretern mathematischer Ansätze geringwertig und unter Rechtfertigungsdruck bzgl. ihres Faches oder werden feindselig. Das hat Tradition und sollte mit Wohlwollen und ehrlicher Wertschätzung beantwortet werden.
Was es also an guten Regeln für erfolgreiche interdisziplinäre Arbeit zu beachten gibt, das gilt ganz besonders, wenn man als Systemwissenschaftler in die Sozialwissenschaften geht.
== Pflichtscheine Diplom (Grundständig)==
Im Grundstudium
Als A-Fach belegt man Inhalte im Umfang von 12 SWS, als vertieftes A-Fach von 20 SWS, als B-Fach von 8 SWS. Es gibt einen Unterschied zwischen vorzulegenden Scheinen und Prüfungsinhalt: Man legt nur max. 3 Scheine vor, die Prüfung wird aber über alle angegebenen Inhalte geführt.
Siehe auch Anlage 4 / 5 der Prüfungsordnung.
Scheine
A-Fach
Um zur Zwischenprüfung zugelassen zu werden, benötigt man jeweils einen Schein aus zwei der drei Bereiche:
Sozialstruktur / Soziale Ungleichheit oder Gesellschaftstheorie / Gesellschaftsanalyse
Wirtschaftlich-technische Entwicklung
Politikwissenschaft / Sozioökonomie
Vertieftes A-Fach
Hierbei benötigt man wie beim A-Fach jeweils einen Schein aus zwei der drei Bereiche und einen dritten Schein aus einem beliebigen Bereich (also auch zwei Scheine in einem Bereich).
B-Fach
Hier genügt ein Schein aus einem der drei o.g. Bereiche.
Zwischenprüfung
Sowohl im A-Fach als auch im vertieften A-Fach wird die (ausschließlich mündliche) Zwischenprüfung über Veranstaltungsinhalte im Umfang von 12 SWS gehen. Die zwei Veranstaltungen "Einführung in die Soziologie" und "Einführung in die Politologie" werden im Studienplan empfohlen, sind aber keine Pflicht, zumal sie nur unregelmäßig angeboten werden bzw. zeitlich oft auf den Pflichtveranstaltungen (Sywi, Math, Inf) liegen.
Für das B-Fach findet keine Zwischenprüfung statt.
Im Hauptstudium
Als A-Fach (normal oder vertieft) belegt man Veranstaltungen im Umfang von 20 SWS. Auch hier gibt es wieder den Unterschied von vorzulegenden Scheinen und Prüfungsinhalten der Diplomprüfung.
Siehe auch Anlage 6 / 7 der Prüfungsordnung.
Scheine
Benötigt wird jeweils ein Schein aus jedem der drei Bereiche:
Soziologie
Politikwissenschaft
Sozioökonomie
Diplomprüfung
Die Zwischenprüfung geht über Veranstaltunginhalte im Umfang von 18 SWS. Dabei sollen folgende Bereiche abgedeckt werden:
Empirische Sozialforschung
und zwei der drei Bereiche
Soziologie
Politikwissenschaft
Sozioökonomie
Anmerkungen zur Studienorganisation
Die Zuordnung der Veranstaltungen zu den Bereichen geht aus dem Vorlesungsverzeichnis hervor. Darauf sollte man achten, um in den richtigen Bereichen die Scheine zu machen und den Prüfungsstoff abzudecken.
Literaturempfehlungen
Diese Empfehlungen stammen nicht von Dozenten und sind nicht Teil von Vorlesungen. Sie dienen eher dazu, Systemwissenschaft und Sozialwissenschaften zu verbinden.
Mathematische Methoden in den Sozialwissenschaften, Anatol Rapaport, 1983 Das Buch bietet eine gute Übersicht zu wertvollen (klassischen) systemdynamischen und spieltheoretischen Grundlagen der soziologischen Modellierung und Simulation.
Allgemeine Systemtheorie, Anatol Rapaport, 1986
Mehr über Anatol Rapaport.
Theorie und Modell, R. Ziegler, 1972
In den Fachbereichsbibliotheken Sozialwissenschaften (Seminarstraße) und Naturwissenschaften / Mathe (Westerberg) stehen einige (wenig benutzte) Bücher zu mathematischer Modellbildung, Formalisierung und Computersimulation in den Sozialwissenschaften. Die meisten stammen aus dem Zeitraum 1970er bis 1980er. Moderne Themen (etwa zu Agentensystemen) sind in den meisten Fällen nicht darunter.
Es empfiehlt sich, auch in der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur zu suchen, weil man dort durchaus Modelle und Methoden findet, die man für soziologische und politikwissenschaftliche Themen verwenden kann.
Links
Wissenschaftliche Ressourcen
Sektion Modellbildung und Simulation der Deutschen Gesellschaft für Soziologie Dort findet man hin und wieder interessante Einblicke in die aktuelle Forschung im deutschsprachigen Raum.
Journal of Artificial Societies and Social Simulation (University of Surrey)
Ein frei zugängliches peer-reviewed Online-Journal, das sich mit der (u.a. agenten-basierten) Simulation sozialer Systeme befasst. Ich würde es als das Journal betrachten, das von Inhalt, Umfang und Anerkennung her den Spitzenplatz in der Szene der sozialen Simulation einnimmt.
Zooland Emergenz im künstlichen Leben (biologisch orientiert) ist auch interessant für Einsichten in Eigenschaften und Dynamiken sozialer Phänomene. Verweist u.a. auf zellular-basierte und agenten-basierte Projekte.
AgentLink Von der EU gefördertes Portal zu Multiagentensystemen. Hat eine gute Übersicht zu agenten-basierten Projekten und Software-Frameworks u.a. zur agenten-basierten sozialen Simulation.
Sozionik Projekt (TU Harburg)
Ein DFG-Projekt, das eine Verbindung von Soziologie und Informatik untersucht. Ziel sind (1) Übertragung informatischer Konzepte und Techniken für ein besseres soziologisches Verständnis, (2) Übertragung soziologischer Erkenntnisse auf die Organisation verteilter (autonomer / agenten-basierter) Softwaresysteme und (3) Verschmelzung soziologischer und informatischer Techniken zur Gestaltung hybrider (menschlicher und künstlicher) soziotechnischer Systeme. Von den hochgesteckten Zielen sehe ich zwar nur wenige ansatzweise erfolgreich behandelt, das Thema ist aber trotzdem interessant. Am Lehrstuhl für Systemanalyse der Fernuni Hagen ist ein weiterer Standort des Sozionik-Projektes angesiedelt. Dort hat man u.a. auch versucht, Teile von Luhmanns soziologischer Systemtheorie zu modellieren.
Self-Organized Networks (University of Notre-Dame)
Komplexe Netzwerke haben ähnliche Strukturen, unabhängig davon, wo sie auftreten. Ob in der Biologie, Computernetzen, bei Molekülen oder in sozialen Systemen. Ein Blick in die Bildergalerie lohnt sich. Die (mathematische) Theorie komplexer Netzwerke stellt vielleicht in einigen Jahren eine brauchbare Erweiterung der (klassischen) Sozialen Netzwerkanalyse dar, die selbst schon interessante Einsichten in soziale Strukturen und Zusammenhänge erlaubt.
Das Mekka der Complexity Science. Dort entstand u.a. das bekannteste und richtungsweisende Agenten-Framework, das besonders für die "Computational Social Sciences" eingesetzt wurde und wird und das einige nachfolgende Projekte (erfolgreich) inspirierte: Swarm.
generation5 - At the forefront of Artificial Intelligence Künstliche Intelligenz kann ein Bestandteil sozialer Simulation sein, besonders dann, wenn man verstärkt kognitive Prozesse integrieren möchte. Diese Seite ist ein netter Einstieg in die programmierende (nicht unbedingt akademische) AI-Community, und folgt man den "Friends and Affiliates", dann hat man schon eine gute Menge an Material zu sichten.
Principia Cybernetica Project Ein Klassiker im Web mit umfangreichen Ressourcen. Die dort behandelten Themen sind auch für sozialwissenschaftliche Anwendungen interessant, und die online verfügbaren Bücher sind einige Blicke wert (und sei es nur zum Genuß oder aus historischem Interesse).
The Complexity & Artificial Life Research Concept Ein weiterer Klassiker im Web. Eine breite Übersicht zu vielen interessanten Bereichen, aus denen man sich Inspirationen holen kann.
Social Sciences Virtual Library
Sehr zu empfehlende Linkliste zu vielen, vielen Quellen. Die WWW Virtual Library ist generell eine gute Adresse und hat zu vielen Bereichen hervorragende Verweise.
Lustige Dinge
Dictionary of Fashionable Nonsense
Klischees sind lustig, und sie treffen öfter zu als man glauben mag. Besonders zwei Dinge wird man in (fortgeschrittenen) Diskussionen mit (postmodernen) Sozialwissenschaftlern auch antreffen können: Gödel und Quantentheorie mit der (falschen) Schlußfolgerung, daß (1) alles beliebig ist, (2) Naturwissenschaft und Mathematik unpräzise und (total) unbrauchbar sind, (3) eh' jeder nur seine (gleichwertige) Meinung hat.
Alan Sokal Articles on the "Social Text" Affair Alan Sokal, ein Quanten-Physiker, brachte einen ideologischen und pseudowissenschaftlichen Artikel im angesehenen sozialwissenschaftlichen Journal "Social Text" unter. Der Skandal war, daß er dabei gezielt postmoderne Vorurteile gegen die "anti-emanzipatorische, modernistische Wissenschaftstheorie" bediente und die Quantentheorie als Zeugen einer "befreienden Wissenschaft neues Typus" nutzte. "Social Text" mußte sich vorwerfen lassen, Dinge publiziert zu haben, (a) die sie nicht verstehen, (b) deren Aussagen ihnen aber ideologisch passten. Man muß das nicht unbedingt witzig finden, es zu kennen ist aber auch kein Fehler.
Diese Seite soll Anfängern und Studierenden in den unteren Semestern eine kleine Orientierungshilfe sein. Deshalb ist es wichtig, dass Ihr Eure Erfahrungen ebenfalls weitergebt, damit sie anderen nach Euch helfen können.
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