Karina Rasche

Karina Rasche begann im Oktober 2000 an der Universität Osnabrück ihr Studium der Angewandten Systemwissenschaft. Schon während ihrer Diplomarbeit arbeitete sie bei Seecon, einer Osnabrücker Beratungsfirma für Beteiligungsverfahren, wo sie seit ihrem Diplom im Jahr 2005 auch ihren beruflichen Werdegang fortsetzt.

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Das Interview im Wortlaut

Von 2000 bis 2005.

Als Leistungskurse hatte ich Mathe und Chemie, aber meine Interessen gingen schon darüber hinaus. Kunst fand ich immer sehr interessant, auch Informatik.

Den Studiengang selbst habe ich in diesem grünen Buch "Studien- und Berufswahl" entdeckt. Ich wusste, dass ich irgendetwas Richtung Mathe/Informatik studieren wollte, was inhaltlich aber noch mehr bietet. Dabei suchte ich gerne etwas Außergewöhnliches. Technomathematik oder Wirtschaftsingenieurwesen hätten mich also auch interessiert. Nachdem ich jedenfalls auf den Studiengang Angewandte Systemwissenschaft gestoßen bin, bin ich zum Studienberater am Arbeitsamt gegangen. Der wusste allerdings überhaupt nichts darüber, so dass ich im Internet recherchiert habe. Dabei bin ich dann auf eine Liste von Studenten gestoßen, wovon ich einfach der einzigen Frau, die da drauf stand, eine Email geschrieben habe. Sie hat mir sofort total nett und ausführlich geantwortet, mich aber gleichzeitig vor Mathe gewarnt. Das fand ich richtig gut, weil ich damit das Gefühl hatte zu wissen, worauf ich mich einlassen würde.

Schwierigkeiten hatte ich vor allem in Mathe. Aber das wusste ich ja schon vorher, dass das nicht leicht werden würde. Gelöst habe ich die ganze Situation durch Teamarbeit. Was dann für mich erst wieder schwierig war, war die Zeit der Diplomarbeit. Das lag vor allem daran, dass ich sie allein zu Hause geschrieben habe. Da war es wichtig, dass ich mir einen Arbeits- und Freizeitrhythmus angewöhnt habe, einfach auch mal den Ort gewechselt habe, also auf dem Balkon weiter geschrieben habe anstatt am Schreibtisch.

Ein Vorteil ist, dass man nicht in einem bestimmten Beruf arbeiten muss. Das hat man bei Fächern wie Mathe oder BWL sicherlich auch. Für mich war aber der größte Vorteil, dass man sein Anwendungsfach sehr frei wählen kann. Da ist man nicht auf Physik oder Chemie beschränkt, sondern kann sogar Psychologie wählen. Wo hat man das schon? Am Studium selbst hat mir gefallen, dass es keine überfüllten Vorlesungen gab wie bei Massenstudiengängen. Seine Vorlesungskollegen kann man gleich besser kennen lernen. Und man kann sicher sein, dass die Dozenten einen auch wirklich kennen. Die Betreuung ist dadurch auch sehr gut, z.B. in Informatik: Jede Woche eine halbe Stunde Testat mit einem Tutor, der sich die Übungsaufgaben anschaut und einem genau sagt, was man gut und was man weniger gut gemacht hat und wie man das ganze noch besser programmieren könnte. Nachteile gibt es allerdings auch. Das ist in erster Linie das unklare Profil des Studiengangs, vor allem nach dem Studium, wenn man im Bewerbungsverfahren immer im Vergleich mit Spezialisten steht. Außerdem fehlten mir studienbegleitende Praktika außerhalb der Forschung. Obwohl: Was Forschung angeht, da ist man dann wieder ganz gut vorbereitet. Man hat schon während des Studiums Möglichkeiten, ein bisschen in die Forschung am USF (Institut für Umweltsystemforschung) hereinzuschnuppern, wenn man da als Hiwi arbeitet oder sein kleines Projekt macht.

Da kommt es besonders auf die eigene Einstellung an. Man muss sich schon in etwas reinknien können. Ja, und ein Grundinteresse an Mathe und Informatik halte ich auch für wichtig.

Für mich blieb eigentlich die Frage "Wo will ich hin?" unbeantwortet, weil das Studium selbst noch so breit gefächert ist, dass es keine klare Richtung vorgibt. Andererseits ist aber auch gerade das der Punkt, warum ich innovative und spannende, und mir bis dahin unbekannte, Berufe entdeckt habe. Die Erwartung, dass Mathe eine Herausforderung werden würde, hat sich dafür aber im Wesentlichen erfüllt.

Ich arbeite bei Seecon, einer Beratungsfirma für Beteiligungsverfahren. D.h. wir beraten Behörden, Unis und sonstige Organisationen bei der Durchführung von Beteiligungsverfahren und sehen uns somit als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis. Unser Ziel ist, dass Forschung praxisrelevant wird. Da der Schwerpunkt in diesem Beruf auf der Kommunikation liegt, ist das nicht DER typische Einsatzort für einen Systemwissenschaftler, aber die Verbindung besteht allein dadurch, dass es um Management komplexer Systeme, speziell Wassermanagement, geht.

Ich hatte keine konkreten Berufsvorstellungen. Dass es etwas mit Computern werden würde, war mir klar. Möglichst eigenständig sollte es auch sein. Und Mathe war für mich damals noch der Punkt, dass man damit, im Gegensatz zu Kunst, auf jeden Fall Geld verdienen kann. Und heute arbeite ich sehr eigenständig, habe schon während meiner Diplomarbeit eigene Konzepte entwickelt, aber dass Kommunikation mal mein Arbeitsgebiet würde, ganz ohne Mathe, das hätte ich nie gedacht.

Ich hatte an der Uni ein Seminar bei meinem späteren Arbeitgeber besucht, der von seiner beratenden Tätigkeit berichtet hat. Das klang für mich sehr spannend, so dass ich dort mit meiner Diplomarbeit angefangen habe. Kurz nachdem ich diese abgeschlossen hatte und ich noch meine Prüfungen machen musste, wurde bei Seecon eine Stelle ausgeschrieben, auf die ich mich auch ganz normal beworben habe und neben anderen Bewerbern zum Vorstellungsgespräch eingeladen wurde. Ein Vorteil war, dass ich durch meine Diplomarbeit schon gut eingearbeitet war, aber natürlich habe ich jetzt, mit einer 70%-Stelle, deutlich mehr Verantwortung.

Das fängt damit an, dass Berichte und Protokolle geschrieben werden, viele Emails von Projektpartnern müssen täglich beantwortet werden, es gibt Bürobesprechungen zum Austausch über Projekte, alle paar Wochen moderiere ich Workshops, gelegentlich besuche ich sonstige Veranstaltungen zur Information und Akquise.

Systeme sind überall: Ökosysteme, Wirtschaftssysteme, soziale Systeme. Die Systemwissenschaft versucht, diese Systeme zu verstehen, damit man sie besser managen kann. Mathe und Informatik sind Hilfsmittel dafür. Z.B. wenn Schadstoffe an einer Stelle in einen Fluss eingeleitet werden, möchte man wissen, welche Konzentration an einer beliebigen Stell im Fluss herrscht und wann es für Fische gefährlich wird.

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