Dr. Hilke Giles

Hilke Giles studierte von 1994 bis 2001 Angewandte Systemwissenschaft an der Universität Osnabrück, wobei sie nach einem Auslandsjahr 1998 in Neuseeland die letzte Zeit ihres Studiums (ab 2000) auch dort an der University of Waikato im Fachbereich Biologie absolvierte. Nach ihrer Promotion im Bereich Meeresbiologie arbeitet sie nun als wissenschaftliche Mitarbeiterin am National Institute of Water and Atmospheric Research (NIWA) in Hamilton, Neuseeland.

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Das Interview im Wortlaut

1994-2001 (1998 and ab 2000 in Neuseeland im Fachbereich Biologie)

Mathematik, Biologie

Ich bin auf den Studiengang gestoßen, als ich die Informationen im Informatik-Ordner des BIZ durchgegangen bin.

Besonders gereizt hat mich die Möglichkeit, meine Interessen in Biologie, Mathematik und Informatik zu kombieren. Die Informationen zum Studiengang haben mich sofort überzeugt und daher habe ich nie gezögert.

Informatik oder Medizinische Informatik. Meine Bedenken waren, dass es in diesen Bereichen schwierig ist, eine spätere Familie und Beruf zu kombinieren.

Ich kann mich an keine großen Schwierigkeiten erinnern außer der üblichen Konfusion in den ersten Mathevorlesungen, die aber in Gruppenarbeit und Tutorien gelöst wurden.

Vorteile sind meiner Meinung nach der Einblick in unterschiedliche Anwendungsbereiche und eine fundierte Ausbildung in Schwerpunkten (Mathematik, Informatik, Systemwissenschaft). Der Nachteil kann sein, dass man sich selbst die letztendliche Anwendung suchen muss. Für mich war das aber eher ein Vorteil, da es mir Spaß macht und ich in der Meeresbiologie/Geochemie einen Bereich gefunden habe, der mich fasziniert. Aber es gab doch immer die Gefahr, dass man von allem ein bisschen, aber nichts richtig lernt.

Vor allen Dingen braucht man ein gewisses Interesse an mathematischen Problemen. Eine positive Einstellung dazu, dass im Hauptstudium alles Sinn machen wird und die einzelnen Bereiche des Grundstudiums zusammen kommen werden, auch wenn das am Anfang nicht so erscheint, ist auch sehr hilfreich, um in schwierigeren Phasen durchzuhalten. Aber das ist ja in jedem Bereich so, oder? Studierende, die genaue Pläne und Anweisungen brauchen, sind meiner Meinung nach nicht gut geeignet. Vielmehr kennzeichnet einen Systemwissenschaftler das eigenständige Denken und die Fähigkeit, Gelegenheiten zu erkennen und wahrzunehmen (zB ins Ausland gehen oder interessante Projekte organisieren).

Letztendlich bin ich in einer Position gelandet, die mir viel Spass macht, und ich könnte mir nichts Anderes vorstellen. Aber zu Beginn des Studienganges hatte ich keine konkreten Erwartungen. Ich war immer optimistisch, dass, solange mir das Studium Spaß macht, sich etwas Gutes ergeben wird.

Ich arbeite im National Institute of Water and Atmospheric Research (NIWA) in Hamilton, New Zealand. Es gibt einige Modellierer hier, aber die meisten modellieren hydrodynamische Systeme, d.h. Meeresströmungen etc. Ecosystem modelling ist sehr gefragt und es gibt viel Interesse an meinem Bereich (Modellierung im Bereich Sedimentbiogeochemie).

Ich bin 1998 für ein Jahr nach Neuseeland gegangen, um an der University of Waikato zu studieren. Während meiner Zeit hier, habe ich mein Interesse an der Meeresbiologie entwickelt und mir wurde angeboten, meine Diplomarbeit hier zu schreiben. Danach habe ich meinen PhD gemacht und meine jetztige Post-Doc Position hat sich durch die Kontakte ergeben, die ich während meiner Studienzeit entwickelt habe.

Im Moment benutzte ich ein bestehendes Modell der Sedimentbiogeochemie, das für Tiefseen entwickelt wurde, und modifiziere es für Estuarien. Das beinhaltet die Implementation von neuen Prozessen und Parametern, aber auch Messungen im Feld und viel Literaturarbeit, um die mathematischen Repräsentationen aller Prozesse zu verstehen und umsetzen zu können. Mein größter Vorteil ist mein konzeptionelles Denken und die Fähigkeit, Probleme mathematisch repräsentieren zu können. Ich denke, ein großer Vorteil ist einfach, dass ich keine "Angst" vor Formeln habe, was ein Problem fuer viele Biologen ist, mit denen ich zusammenarbeite.

Als Systemwissenschaftler arbeiten wir häufig mit Wissenschaftlern und Menschen aus vollkommen anderen Bereichen, zB. Umweltbehörden, zusammen, die oft von einem Teil unserer Arbeit keine Ahnung haben (z. B. wissen Biologen nicht, was ein Modell leisten kann und „reine“ Modellierer haben kein Verständnis für die biologischen Prozesse und die Problematiken, die die Messungen von Parametern und Prozesse bereiten können). Meiner Meinung nach ist es unsere Aufgabe, zwischen diesen Leuten zu vermitteln und unsere Arbeit allen beteiligten Personen zu erklären. Gleichzeitig ist es unsere Aufgabe, allen beteiligten Interessengruppen zuzuhören und die Probleme von allen notwendigen Gesichtspunkten anzugehen.

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